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Die Schweiz schaut weg – er nicht. Urs Hans bei Jacques Baud in Brüssel

Interview mit Urs Hans in Brüssel am Samstag, 21.03.2026

Von Nicole Hammer, Wissensgeist.TV

Es war ein ungewöhnliches Treffen: Ein Zürcher Biolandwirt reiste nach Brüssel, um einen Schweizer zu besuchen, der unter EU-Sanktionen steht. Was ihn antrieb, war kein diplomatisches Mandat, sondern eine Haltung, die sich durch sein ganzes Leben zieht.

„Um ein Problem lösen zu können, muss man die Ursachen kennen.”

Der Mann, seit Jahrzehnten Biolandwirt und ehemaliger Zürcher Kantonsrat, sah in diesem Satz den Kern seines Denkens – in der Landwirtschaft ebenso wie in der Politik.


Vom Stall nach Brüssel

Jacques Baud lernte er an einer Veranstaltung von Public Eye on Science kennen. Baud hatte dort ausführlich über geopolitische Zusammenhänge gesprochen.

„Es hat mich von der ersten Sekunde an imponiert, wie er die Sachen gründlich erklärt.”

Als der Ukrainekrieg begann, war für ihn klar, dass auch über dessen Hintergründe gesprochen werden müsse. Er lud Baud nach Winterthur ein – dieser referierte dort rund 45 Minuten, erklärte die Vorgeschichte des Konflikts klar und verständlich, für jeden auf dem Platz nachvollziehbar.

Später erhielt er den Auftrag, Baud für ein geplantes Neutralitätsgremium anzufragen. Die Idee: international erfahrene Persönlichkeiten zu versammeln, die in regelmässigen Abständen zu weltpolitischen Entwicklungen Stellung nehmen – ein Gegengewicht zur offiziellen Meinung. Baud hatte am Telefon bereits sein grundsätzliches Interesse signalisiert.


Neutralität als aktives Prinzip

Der Landwirt engagierte sich für die Neutralitätsinitiative in der Schweiz. Diese war nicht nur von einer politischen Seite getragen: Die Initiative kam zwar von der SVP, hatte aber auch Unterstützer aus dem linken Spektrum.

Seine Kritik richtete sich gegen die schleichende Annäherung der Schweiz an NATO und EU:

„Ich war früher mal ein EU-Befürworter, aber heute ist die EU zu einer Diktatur geworden.”

Neutralität bedeutete für ihn nicht Passivität, sondern aktive Friedensförderung. Sein Argument war schlicht:

„Man kann nur mit allen auf gleicher Höhe reden, wenn man neutral ist – sonst ist man nicht glaubwürdig.”


Sanktionen gegen Jacques Baud

Zwei Tage vor den Sanktionen hatten sie noch ein rund einstündiges Telefongespräch. Baud hatte seine Freude signalisiert, am Neutralitätsgremium mitzuwirken – er arbeite aber noch an einem Buch, gegen das Frühjahr hätte er Zeit. Das Gespräch war lebendig, voller Humor.

„Wenn man mit Jacques Baud redet, wird man ganz sicher nie depressiv.”

Dann wurde Baud sanktioniert.

„Wie blöd kann die EU sein, Jacques Baud zu sanktionieren?”

Bauds Bücher und Videos erklärten Sachverhalte präzise und aus verschiedenen Perspektiven – nichts gegen Russen, nichts gegen Ukrainer, eine nüchterne Analyse. Die Sanktionen deutete er als das, was sie seiner Meinung nach sind:

„Dann bedeutet das ja, dass jene, die sanktionieren, Angst haben vor dieser Wahrheit.”

Baud lebt in Brüssel unter erheblichen Einschränkungen: Ausreiseverbot, Kontosperrung, eine humanitäre Ausnahmegenehmigung lediglich für Miete und Essen. Auch die UBS blockierte seine Konten – obwohl die Schweiz die EU-Sanktionen nicht mitträgt.

Baud hatte in Afrika vermittelt, Menschenleben gerettet, mit Rebellengruppen verhandelt, wo sich kaum jemand anderes hingetraut hätte. Er hatte für die NATO gearbeitet, für die OSZE, für die Schweiz, für die UNO. Und die Schweiz hatte es ihm nie gedankt.


Begegnung in Brüssel

Vor der Reise rief er Baud an – er wollte wissen, ob er überhaupt Fleisch esse und was man ihm Sinnvolles mitbringen könne. Seine Frau bereitete ein gutes Stück Trockenfleisch vom eigenen Hof vor.

Als sie sich trafen, umarmten sie sich. Baud freute sich aufrichtig – nicht nur über die Lebensmittel, sondern über die Anteilnahme selbst.

„Er hat sich echt gefreut, dass wir ihn nicht alleine und im Stich lassen.”

Rund zwanzig Personen hatten Baud inzwischen besucht. Entscheidend sei nicht nur die materielle Unterstützung – Baud brauche auch das Menschliche: das Gefühl, nicht allein zu stehen.


Freiheit und Arbeit

Die Frage, was Freiheit bedeute, stellte sich für ihn täglich neu – in einem konkreten Sinn, nicht als politische Theorie. Baud sass in Brüssel fest, Ausreiseverbot, Konten gesperrt. Er selbst stand morgens auf seinem Hof auf.

„Das hat mit Freiheit zu tun, mit freier Entscheidung, wie wir unser Leben gestalten.”

Die Arbeit auf dem Betrieb, vor allem mit den Tieren, bringe einen wieder auf den Boden. Man könne die schlimmsten Berichte lesen – sobald man die Stallarbeit gemacht habe, sei das verarbeitet.

„Wenn ich die Stallarbeit gemacht habe, dann ist das verarbeitet.”


Konflikte mit Staat und Behörden

Seine Erfahrungen mit staatlichen Eingriffen zeigten sich besonders deutlich während der Blauzungenkrankheit. Er weigerte sich, seine Tiere zwangsimpfen zu lassen – nicht aus Sturheit, sondern weil er die Zahlen kannte: 2% der Tiere zeigten überhaupt Symptome, davon starben 11,34% – das ergab rund zwei Promille, also zwei Kühe auf tausend. Die Schäden durch die Impfung beschreibt er als erheblich. Bauern solidarisierten sich, und der Widerstand wuchs. Eine Tierärztin gestand ihm später:

„Wir haben die Schäden gesehen, aber wir durften nichts sagen – sonst wären sie auf unsere Praxis losgegangen.”

„Wir haben das gelernt auf dem Hof: Wenn du dich nicht fügst, dann kommt der Staat.”

Das Veterinäramt schickte Kontrolleure, begleitet von der Kantonspolizei. Der Knospe-Kontrolleur drohte ihm, das Knospe-Label zu entziehen. Er wurde zu einer Busse von 3000 Franken verurteilt, zog den Fall bis vor das Bundesgericht – und verlor.


Gericht und Selbstverteidigung

Sein eigener Anwalt empfahl ihm, sich selbst zu verteidigen: „Du weisst viel mehr.” Er wurde zu 26 Vergehen eingeklagt und bereitete sich auf jedes einzelne vor.

Der Gerichtssaal war voll. Das Gericht versuchte, alles klein zu halten – und wurde dabei zunehmend nervös. Ein eigens aus München angereister Tierarzt-Experte durfte nicht aussagen – er wurde abgeblockt, diskutierte danach aber im Restaurant mit dem Tagesanzeiger-Journalisten, der daraufhin einen sachlichen Bericht schrieb.

Der Kern des Vorwurfs: Er habe ein krankes Tier zu lange leiden lassen – weil er es homöopathisch behandelte statt mit schulmedizinischen Mitteln. Das Veterinäramt akzeptierte die Homöopathie nicht als Behandlung. Seine Frau – versiert in Homöopathie – hatte mehrere durch die Zwangsimpfung geschädigte Tiere retten können. Er konnte der Richterin erklären, dass er ein Herz für Tiere hat und viele gerettet hat. In diesem zentralen Punkt wurde er freigesprochen:

„Ich wurde freigesprochen bezüglich Tierquälerei.”


Bruch mit Partei und Medien

Während der Corona-Zeit kam es zum Bruch mit den Grünen. Ein Tagesanzeiger-Journalist hatte ein vierstündiges Interview mit ihm geführt, auf dem Hof zu Mittag gegessen, das Manuskript zur Gegenlektüre geschickt. Er listete zehn Punkte auf, die geändert werden müssten. Am nächsten Morgen: nichts geändert. Er hatte dem Journalisten unter anderem ein Buch einer amerikanischen Ärztin geschenkt, die die Geschichte der Impfungen aufgearbeitet hatte. Der Journalist schrieb stattdessen, er habe ein Buch vom „Kopp-Verlag” geschenkt bekommen – in linken Kreisen als rechtsextrem verschrien. Damit war er abgestempelt.

„Das war eine gezielte Kampagne, um mich zu diffamieren.”

In einer Fraktionssitzung wurde er 18:3 aus der Fraktion geworfen. Man dachte, er würde nach Hause gehen und aufgeben. Als Parteiloser blieb er im Kantonsrat – bei Budgetfragen stimmte er eher mit den Rechten, bei Umweltfragen mit den Linken.

„Ich war das Zünglein an der Waage.”


Landwirtschaft als Haltung

Sein Weg in den Biolandbau begann mit einem konkreten Erlebnis – rund zwei Jahre nach der Landwirtschaftsschule, wo man lernte, wie man Pestizide einsetzt und nicht zu viel hinterfragt.

Er hatte sein Maisfeld mit einem Totalherbizid gespritzt. Kurz danach kam ein Gewitter. Vierzehn Tage später begann die Naturwiese seines tiefer gelegenen Nachbarn – ausgerechnet sein ehemaliger Sonntagsschullehrer – langsam gelb zu werden. Nach einem Monat war sie völlig abgestorben.

Er rief den Nachbarn an, meldete den Schaden der Versicherung. Die Antwort: Das sei „gute bäuerliche Praxis”, er könne nichts dafür, es sei eben Pech gewesen, dass es geregnet habe.

In diesem Moment fiel der Entscheid:

„Doch, das ist meine Verantwortung.”

Er stellte seine Arbeitsweise um – gegen Widerstände und ohne breite Unterstützung. In Bauernkreisen war er damit isoliert. Heute beträgt der Bioanteil in der Schweiz 10–12%.


Kritik an Industrie und Forschung

Als die Gentechnik aufkam, informierte er sich, reiste nach Kanada, lernte Studien zu lesen. Was er sah: Studien wurden von der Agroindustrie finanziert. Kritische Forscher wurden unter Druck gesetzt.

Ein Fall prägte ihn besonders: der schottische Forscher Árpád Pusztai, einer der bekanntesten Gentechnikforscher weltweit. Er hatte Kartoffeln untersucht, in die ein Gen des Schneeglöckchens eingepflanzt worden war – und festgestellt, dass die Versuchstiere degenerierte innere Organe aufwiesen. Er publizierte die Ergebnisse. Kurz darauf folgte ein Anruf von Monsanto zu Bill Clinton, Clinton zu Tony Blair, Blair zum Rowett Institute in Aberdeen – und Pusztai war entlassen, sein Computer konfisziert.

„Gesundheit ist zum Big Business geworden.”


Demokratie und Information

Ein zentrales Problem sah er in der Informationslage. Narrative würden von geschulten Psychologen entwickelt, vom Mainstream verbreitet – Angst werde geschürt, um Entscheidungen zu steuern.

„Wie willst du entscheiden, wenn du nicht richtig informiert bist?”

Er forderte ein Bildungssystem, das der Wahrheit verpflichtet ist – und wo der Staat nicht versucht, die Gesellschaft zu lenken. Grundtechniken gehörten in die Schule. Die Erziehung aber in die Familie.


Schweiz und Verantwortung

Die Schweiz hätte Baud mit einem Diplomatenpass helfen können. Sie tat es nicht.

Der Besuch bei der Schweizer Botschaft in Brüssel verlief enttäuschend. Der Botschafter selbst liess sich vertreten. Später erfuhr er, dass sich der Schweizer Botschafter öffentlich abwertend über den Fall Baud geäussert hatte. Für einen Vertreter der Schweizer Neutralität ein Armutszeugnis.

„Ich fühle mich betrogen.”


Netzwerke und Austausch

Nach seiner Rückkehr in die Schweiz stand noch ein Treffen mit Public Eye on Science und einem wissenschaftlichen Umfeld zu Mikro-GVO an. Diese Kontakte hatten ihm bereits viele Türen geöffnet – zu Forschern, zu Gleichgesinnten, zu Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten: ausgegrenzt, abgestempelt, zum Schweigen gebracht – und trotzdem weitermachend.


Hoffnung

Trotz allem blieb er optimistisch:

„Ich glaube daran, dass die Wahrheit irgendwann zutage kommt.”

Kurz vor seiner Abreise hatte ihn Katharina König, eine Corona-Impfgeschädigte, angerufen, hocherfreut: Ein renommierter deutscher Rechtsanwalt hatte einen Fall eines Impfgeschädigten gewonnen. Biontech und Merck müssen nun Dokumente offenlegen. Mit tausenden Klägern im Rücken könnte das Verfahren Schule machen.

„Es stinkt ja alles zum Himmel. Es ist alles bewiesen.”

Die Wahrheit komme – man müsse manchmal nur etwas lange warten.

Seine Haltung

Am Ende beschrieb er seinen Antrieb schlicht:

„Wenn du nicht ehrlich bist, dann schadet das deinem Gemüt.”

Zwischen Stallarbeit und politischem Engagement sah er keinen Widerspruch. Hätte er mitgemacht – bei den Zwangsimpfungen, bei Corona, bei der Parteidisziplin – wäre er wahrscheinlich krank geworden. Weil er immer gewusst hätte: da stimmt etwas nicht.

Seine Haltung blieb konstant: Ursachen verstehen, Verantwortung übernehmen – und entsprechend handeln.


Dieses Interview wurde in Brüssel geführt. Die Aussagen geben die persönliche Sichtweise des Interviewten wieder.

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