Von Nicole Hammer, Wissensgeist.TV
Brüssel, 21. März 2026. Während die offizielle Schweiz schweigt, reist Vital Burger nach Brüssel – um Jacques Baud zu besuchen und um zu zeigen: Es gibt Menschen, die nicht schweigen.
Jacques Baud, ehemaliger Oberst der Schweizer Armee, ehemaliger Mitarbeiter des Schweizer Strategischen Nachrichtendienstes, NATO-Analyst und UNO-Berater, sitzt in Brüssel fest – sanktioniert von der Europäischen Union, ohne dass ihm eine strafbare Handlung nachgewiesen werden konnte.
Wer ist Vital Burger?
Vital Burger ist schwer in eine Schublade zu stecken. Ökonom, Rechtsanwalt, Helikopterpilot, Mechaniker, ehemaliger Gemeinderatskandidat in Emmenbrücke, Kanton Luzern – und Gründer der sogenannten Wasserrebellen von Emmen. 2006 wollte der Gemeinderat von Emmen die Wasserversorgung privatisieren. Alle Parteien waren dafür – die Grünen, die Linken, alle. Vital Burger gründete das Forum Emmen, sammelte Unterschriften, lancierte eine Volksinitiative und gewann. Das Wasser blieb in Gemeindehand – bis heute.
Burger verbrachte 15 Jahre in Los Angeles, wo er aus nächster Nähe erlebte, wie im Owens Valley einer ganzen Region das Wasser gestohlen wurde – ein einst blühendes Tal, das heute zur Halbwüste verkommen ist. Er sah, was Privatisierung von Trinkwasser in Frankreich und Bolivien angerichtet hatte. Sein Fazit, klar und unmissverständlich:
„Mit Wasser wird nicht gespielt.”
Später reiste er fünfmal nach Syrien und mehrfach in den Iran – mit den nötigen Einreisegenehmigungen, mit offenen Augen, mit einem kleinen Team. Er organisiert bis heute Reisen in Länder, die der Westen entweder ignoriert oder dämonisiert: Russland, Iran, Syrien, Georgien, Armenien, Moldawien – und demnächst Abchasien, das kleine Küstenland zwischen Sotschi und Tiflis, das er als „die Schweiz des Kaukasus” beschreibt.
Jacques Baud – wenn Meinungsfreiheit zur Gefahr wird
Für Vital Burger ist Jacques Baud kein Einzelfall. Er ist ein Warnsignal für ganz Europa.
Baud, Jahrgang 1955, begann seine Karriere 1982 beim Strategischen Nachrichtendienst der Schweiz (NDB). Russischsprachig, spezialisiert auf die Streitkräfte des Warschauer Pakts, wechselte er nach dem Ende des Kalten Krieges zum Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), dann zu den Vereinten Nationen, wo er unter anderem den Geheimdienst der UNO-Friedensmission im Sudan leitete und Kofi Annan persönlich kannte. Von 2012 bis 2017 arbeitete er für die NATO, unter anderem als Leiter der Abteilung zur Bekämpfung der Verbreitung von Kleinwaffen. Er wurde auch in die Ukraine entsandt, im Zusammenhang mit der Umstrukturierung ukrainischer Streitkräfte und einem humanitären Minenräumprojekt im Donbass.
Am 15. Dezember 2025 setzte der Rat der Europäischen Union Jacques Baud auf seine Sanktionsliste – mit der Begründung, er verbreite prorussische Propaganda und Verschwörungstheorien. Sein Vermögen wurde eingefroren. EU-Bürgern und EU-Unternehmen ist es seither verboten, ihm finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Er darf weder in den EU-Raum einreisen noch durch diesen reisen. Da er in Brüssel wohnt, ist er dort blockiert.
Beweise für strafbare Handlungen? Keine. Eine Anhörung vor der Sanktionierung? Nicht erfolgt. Eine Benachrichtigung im Voraus? Weder Baud noch die Schweizer Behörden wurden vorab informiert. Die gesamte Sanktionsbegründung der EU umfasst gerade einmal sieben Zeilen – ohne ein einziges konkretes Beweismittel.
Vital Burger, der Baud persönlich kennt und schätzt, bringt es als Rechtsanwalt auf den Punkt:
„Recht und Macht sind zwei verschiedene Sachen.”
Und weiter: Die meisten EU-Sanktionen, so Burger, basierten nicht auf faktengestützten Grundlagen, sondern dienten dem politischen Druck. Formell gebe es zwar ein Sanktionsgesetz – doch es werde schwammig angewandt. Die Willkür, die dahintersteckt, beschreibt er so:
„Man kann jeden Mann mit irgendetwas sanktionieren – er trägt grüne Unterhosen, und deshalb wird er sanktioniert. Man hat keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren.”
Hätte Baud irgendetwas getan, das im Schweizer Strafgesetzbuch strafbar wäre, wäre es ein anderer Fall – doch genau das kann ihm niemand nachweisen.
Die UBS und der lange Arm Washingtons
Besonders brisant: Die UBS, einst Schweizer Traditionsbank, sperrte Jacques Bauds Konten – obwohl die Schweiz die EU-Sanktionen im Bereich Propaganda und Desinformation ausdrücklich nicht übernommen hat. Der Schweizer Bundesrat schloss sich dem entsprechenden EU-Sanktionsregime nicht an.
Vital Burger, der selbst jahrelang gegen die Privatisierung öffentlicher Güter gekämpft hat, zeigt sich erschüttert – aber nicht überrascht:
„Die UBS war mal eine Schweizer Bank. Ob sie heute noch eine Schweizer Bank ist, mag ich bezweifeln. Wenn jemand aus Washington oder Tel Aviv anruft, dann werden sie jedes Konto sperren – ob zu Recht oder Unrecht.”
Eine Aussage, die schwer wiegt. Und die eine grundsätzliche Frage aufwirft: Wessen Interessen verfolgt die Schweizer Finanzbranche noch – und wessen nicht mehr?
Syrien, Iran und die Wahrheit hinter den Schlagzeilen
Vital Burger war fünfmal während des Krieges in Syrien – das erste Mal reiste er zu einem bekannten Nahost-Analysten, mit dem er ein fünfstündiges Interview führte. Das Interview war so brisant, dass Burger es bis heute nicht veröffentlichte. 2018 folgten zwei weitere Reisen mit Gästen, bei denen der Analyst die Fragen der Gäste jeweils im Restaurant beantwortete.
Was er in Syrien erlebte, deckte sich kaum mit dem, was europäische Medien berichteten. Syrien beschreibt er als eine faszinierende Mischung mediterraner, arabischer, türkischer und osmanischer Einflüsse – eine Gesellschaft, in der verschiedene Ethnien und Religionen über Jahrzehnte zusammengelebt hatten. Die Stadt Yabroud nennt er als Modellbeispiel für dieses friedliche Miteinander.
Seit dem Sturz von Baschar al-Assad hat sich die Lage dramatisch verändert: Die christliche Bevölkerung wird konsequent verfolgt und verlässt das Land. Doch in europäischen Medien sucht man diese Berichte vergeblich.
Auch die EDA-Reiseempfehlungen für den Iran hält Burger für politisch motiviert – nicht sachlich begründet:
„Die Reiseempfehlungen des EDA sind politischer Art und haben nichts mit der aktuellen Lage vor Ort zu tun. Die Botschaften kennen das Land nicht, kennen die Gebräuche nicht. Viele können nicht einmal Farsi sprechen.”
Seine eigenen Reisen plant er sorgfältig: Mit lokalen Kontakten, medizinischer Vorbereitung – in Syrien reiste er mit einem halben Spital im Gepäck – und seinem Grundsatz: Er geht nirgends hin, wo er das Risiko nicht vertreten kann.
Besuch in der Schweizer Botschaft Brüssel
Einen Tag vor dem Interview, am 20. März 2026, besuchte Vital Burger mit seiner Gruppe die Schweizer Botschaft in Brüssel. Da Botschafter Jacques Pitteloud verhindert war, empfingen Léonard Graf, stellvertretender Missionschef, sowie Laura Schweizer, Ministerin und Abteilungsleiterin Politik, Sicherheit, Recht und Inneres, die Gruppe. Laura Schweizer vertritt die Schweiz bei der EU. Burger nimmt es gelassen – das Wichtigste sei, dass die Gruppe überhaupt empfangen wurde:
„Auch wenn ihr die komischste Gruppe seid auf der ganzen Welt – kommt herein, trinken wir einen Tee und tauschen wir die Meinung aus. Das ist die Schweiz.”
Die Gruppe brachte auch Treicheln mit – grosse Schweizer Kuhglocken, die traditionell böse Geister vertreiben sollen – ein Brauch, den Burger auch schon nach Moskau mitgenommen hat. Auf der Strasse vor der Botschaft zeigten sie ein Transparent mit den Aufschriften: „Neutrale Schweiz”, „Keine Sanktionen”, „Sanktionen töten”, „Nous sommes Jacques Baud” – Wir sind Jacques Baud. Die Belgier, so Burger, verhielten sich tolerant und offen.
Was die Schweiz jetzt tun müsste
Vital Burgers Forderung an Bundesbern ist klar: Die Schweiz muss zu ihrer außenpolitischen Tradition zurückkehren – neutral, sachlich, distanziert, konstruktiv. Und sie muss die Interessen ihrer eigenen Bürger vertreten – nicht die Interessen von Washington oder Tel Aviv.
Früher, so Burger, waren Schweizer Botschaften weltweit für ihre Hilfsbereitschaft bekannt. Heute erlebt er das anders – in Syrien, im Iran, in Brüssel. Die Diplomatie habe sich verändert: von dienstfertigen Beamten zu kleinen Königen.
Unterhalten heißt die Leute unten halten
Vital Burger formuliert es so, wie er alles formuliert: direkt, unverblümt, ohne Angst:
„Das ist viel mehr als zwei Jahre vor der Affenkiste – dem Fernseher – zu sitzen. Unterhalten heißt die Leute unten halten.”
Für Burger ist diese Begegnung mit Jacques Baud ein Geschenk – wertvoller als jede Zeit, die man passiv vor dem Bildschirm verbringt. Echte Erlebnisse, echte Menschen, echte Wahrheiten – das ist sein Massstab.
Er zieht die Konsequenz daraus für sein eigenes Leben: Die verbleibende Zeit möchte er nur mit Menschen verbringen, die bereit sind, etwas zu tun – die anderen Kulturen sehen wollen, die mitreisen nach Russland, in den Iran, nach Syrien, nach Abchasien, nach Georgien, Armenien, Moldawien.
Kurz vor der Abfahrt nach Brüssel war der Bus so voll, dass fast ein zweiter organisiert werden musste.
Ein Gespräch, das bleibt
Was hat dieser Besuch bei Jacques Baud mit Vital Burger gemacht? Seine Antwort ist einfach und tief:
Er habe Baud schon vorher bewundert. Jetzt sei er noch ein Stück sympathischer geworden. Und er habe Bestätigungen erhalten für Dinge, die er seit 15 Jahren vermutet hatte.
Jacques Baud lebt derzeit in Brüssel ohne Zugang zu seinen Bankkonten, ohne Reisefreiheit, ohne dass ihm ein Richter ein Urteil gesprochen hätte. Er hat Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof eingereicht. Seine Anwälte wenden sich direkt an den EU-Rat.
Bereits am 9. Januar 2026 hatte die Schweizer Botschafterin bei der EU, Rita Adam, bei der EU interveniert und das Recht auf ein faires Verfahren sowie die Achtung der Meinungsäusserungsfreiheit gefordert.
Es ist ein Fall, der weit über Jacques Baud hinausgeht. Er stellt eine grundlegende Frage: Wie viel Meinungsfreiheit ist in Europa noch möglich – wenn selbst ein hochrangiger ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter, NATO-Analyst und UNO-Berater sanktioniert werden kann, ohne Anhörung, ohne Beweis, ohne Vorwarnung?
Vital Burgers Antwort darauf ist sein Leben. Er schwimmt gegen den Strom – nicht weil es leicht ist, sondern weil es Kraft gibt.
Wie können Sie Jacques Baud helfen?
Drei Monate lang hatte Jacques Baud praktisch kein Geld – Konten eingefroren, Rente ausgesetzt. Die Schweizer Botschaft meldete sich erst nach 10 Tagen – mit Links zur EU-Webseite.
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👉 Jacques Baud: EU zerstört sein Leben – ohne Gericht Das vollständige Interview mit Jacques Baud in Brüssel:
Dieses Interview wurde in Brüssel geführt. Die Aussagen geben die persönliche Sichtweise des Interviewten wieder.
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